Wer elektrische Geräte prüft, kennt die DIN VDE 0701-0702 als jahrzehntelangen Standard für die Prüfung nach Reparatur und für Wiederholungsprüfungen. Seit 2021 hat sich hier jedoch grundlegend etwas geändert, die bekannte Norm wurde aufgeteilt und durch zwei neue europäische Normen ersetzt, die DIN EN 50678 (VDE 0701) und die DIN EN 50699 (VDE 0702). Wer als Elektrofachkraft, Prüfdienstleister oder im betrieblichen Arbeitsschutz tätig ist, sollte die wichtigsten Inhalte dieser Umstellung kennen.
Die ursprüngliche DIN VDE 0701-0702 entstand 2008 durch die Zusammenführung zweier vormals getrennter Normen. In der Praxis erwies sich diese Zusammenlegung jedoch als problematisch, da die Anwendungsbereiche, Prüfung nach Reparatur einerseits und wiederkehrende Prüfung im laufenden Betrieb andererseits, auf nationaler Ebene nicht immer klar zu trennen waren. Im Zuge der europäischen Harmonisierung der Normen durch CENELEC wurde entschieden, beide Themenbereiche wieder in eigenständige Normen zu überführen und gleichzeitig an die internationale Nomenklatur der IEC anzupassen. Das Ziel dahinter ist ein einheitlicherer europäischer Binnenmarkt mit weniger nationalen Sonderregelungen.

DIN EN 50678 (VDE 0701) trägt den Titel „Allgemeines Verfahren zur Überprüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen von Elektrogeräten nach der Reparatur“ und ist seit Februar 2021 gültig. Sie regelt, wie nach einer Instandsetzung oder Änderung eines Elektrogeräts sichergestellt wird, dass die grundlegenden Schutzmaßnahmen weiterhin funktionieren und das Gerät sicher betrieben werden kann. Diese Prüfung ist in der Regel umfangreicher als die Wiederholungsprüfung, da nach einem Eingriff am Gerät potenziell mehr Fehlerquellen entstanden sein können.
DIN EN 50699 (VDE 0702) mit dem Titel „Wiederholungsprüfung für elektrische Geräte“ ist seit Juni 2021 gültig und betrifft die regelmäßige wiederkehrende Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel im laufenden Betrieb, also genau die Prüfungen, die viele Unternehmen im Rahmen der DGUV Vorschrift 3 in festen Intervallen durchführen lassen.
Beide Normen gelten grundsätzlich für Geräte mit einer Bemessungsspannung von mehr als 25 V AC bzw. 60 V DC bis 1000 V AC bzw. 1500 V DC und Strömen bis 63 A, die über einen Stecker angeschlossen oder fest mit dem Endstromkreis verbunden sind.
Wichtig: Geräte der Informationstechnik sowie bestimmte Sonderfälle wie Lichtbogenschweißgeräte oder medizinische Geräte nach IEC 60601-1 fallen nicht unter diese Normen, da sie bereits durch andere Regelwerke abgedeckt sind.
Neben der reinen Aufteilung bringen die neuen Normen auch fachliche Anpassungen mit sich, die den aktuellen Stand der Technik berücksichtigen:<7p>
Für Anschlussleitungen mit einem Querschnitt über 1,5 mm² gilt eine geänderte Berechnungsgrundlage für die Grenzwerte des Schutzleiterwiderstands. Konkret erhöht sich der zulässige Grenzwert um 0,1 Ohm je 7,5 Meter Leitungslänge, gedeckelt auf einen Maximalwert. Dadurch entfallen für viele Geräte mit längeren oder dickeren Anschlussleitungen frühere Stolperfallen bei der Messung.
Auch die Vorgaben zur Ableitstrommessung wurden in den Normen DIN EN 50678 (VDE 0701) und DIN EN 50699 (VDE 0702) präzisiert. Darüber hinaus werden Anforderungen an die eingesetzten Prüfgeräte berücksichtigt, unter anderem durch den Bezug auf die DIN EN 61557-16 (VDE 0413-16). Für Betreiber und Prüfdienstleister kann es daher sinnvoll sein zu überprüfen, ob vorhandene Prüfgeräte und Messverfahren den aktuellen normativen Anforderungen entsprechen.
Eine weitere Klarstellung betrifft unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV), Photovoltaik-Wechselrichter und weitere Stromrichter. Diese sind vom Anwendungsbereich der DIN EN 50699 ausgenommen, da für sie spezifische Produkt- und Anlagennormen gelten. Für USV-Systeme sind dies beispielsweise die Normen der Reihe DIN EN IEC 62040.
Für Unternehmen und Prüfer galten nach Einführung der neuen Normen Übergangsfristen, in denen die alte DIN VDE 0701-0702 noch parallel angewendet werden durfte, bis Dezember 2022 für den Bereich der DIN EN 50678 und bis September 2023 für den Bereich der DIN EN 50699. Diese Fristen sind inzwischen ausgelaufen, sodass die alten Normen heute keine Gültigkeit mehr besitzen. Für die tägliche Prüfpraxis bedeutet das: Elektrofachkräfte müssen künftig wieder auf zwei separate Normwerke zurückgreifen, je nachdem, ob es sich um eine Prüfung nach Reparatur oder um eine reguläre Wiederholungsprüfung handelt.
Die Aufteilung der DIN VDE 0701-0702 in die DIN EN 50678 und die DIN EN 50699 ist mehr als eine reine Umbenennung. Sie bringt eine klarere Trennung der Anwendungsbereiche, eine Anpassung an europäische und internationale Normenstrukturen sowie inhaltliche Neuerungen bei Grenzwerten und Messverfahren mit sich. Wer Geräteprüfungen durchführt oder verantwortet, sollte sicherstellen, dass sowohl die eingesetzte Messtechnik als auch das eigene Prüf-Know-how den aktuellen Anforderungen entsprechen, nicht zuletzt, weil korrekt durchgeführte Prüfungen ein zentraler Baustein des betrieblichen Arbeitsschutzes und der Haftungsabsicherung sind.